JEDLESEER STRASSE

Subsidized Housing

LOCATION

AREA

STATUS

YEAR

Vienna

1.655 m²

Completed

2013-2015

Ursprünglich war Jedlesee ein kleines Bauern- und Fischerdorf im Augebiet der Donau. Ein paar Kleingärten erinnern noch an die kleinteilige Struktur. Ansonsten ist von der alten Beschaulichkeit nicht mehr viel übrig. Gemeindebauten aus den Zwanziger und Sechziger Jahren stehen dicht an dicht, markieren das Zeitalter eines wachsenden, sich rasch entwickelnden Wiens. Dazwischen donnert, als wäre das alles nicht schon genug der Unwidrigkeiten, die A22 in Hochlage durchs Wohnmilieu.

Kein leichtes Grundstück. Aber das ist schon okay. Mit der Herausforderung wachsen wir Architekten und Architektinnen bekanntlich zur Höchstform empor. Eingezwängt zwischen eine großvolumige Wohnhausanlage mit sieben Geschoßen und ein bescheidenes Häuschen aus der Gründerzeit entstand für den Bauträger Gartenheim dieser geförderte Wohnbau mit insgesamt 22 Wohnungen. Trotz beengter Verhältnisse – die Parzelle misst gerademal 230 Quadratmeter – und ziemlich eingeschränkter Belichtung auf der Hofseite ist es gelungen, hochwertige Smart-Wohnungen mit zwei bis drei Zimmern zu errichten. Im Dachgeschoß gibt es zudem drei großzügige Maisonetten.

Straßenseitig schieben sich wie bei einem Tetris-Spiel mal Wohnräume, mal Loggien aus der Fassade und umreißen auf diese Weise einen haushohen Erker. Die gegeneinander versetzten Fenster sind nicht nur eine Sache der Ästhetik, sondern auch eine Maßnahme gegen Straßenlärm und Brandüberschlag. Hofseitig trotzen zwei Loggien der herannahenden Feuermauer des Nachbargebäudes und holen so ein Stückchen der großen Gartenanlage ins Innere. Eine Leiter zwischen den beiden Freiräumen sorgt nicht nur für die nötige Privatsphäre zwischen Frau Maier und Herrn Müller, sondern dient dem kompakten Fertigteilbeton-Haus auch als alternativer Fluchtweg.

Ja, es ist ein Ausnutzen bis zum letzten Millimeter. Jemand hat einmal gesagt, dass dieser Wohnbau einem im Schock explodierten Kugelfisch gleicht. Mag schon sein. Doch Tatsache ist, dass wir im stetig wachsenden Wien bis 2050 Platz für 300.000 zusätzliche Einwohner schaffen müssen. Dazu gehören auch leistbare, ökonomisch geschnittene Wohnungen wie diese. Wenn dann auch noch Platz für einen kleinen Balkon oder eine Loggia voller Pelargonien ist, umso besser.